Aktuelle Situation der Kinderbetreuung in der Wichern-Kindertagesstätte

Zurzeit findet der Regelbetrieb unter Beachtung von Hygienemaßnahmen in getrennten Gruppen statt.
Lesen Sie dazu auch die Informationen des hessischen Ministeriums für Soziales und Integration.

An unserem Zeitplan schrauben wir nicht herum!

Strukturen bilden die Basis, die durch den gut gelebten Alltag leiten

Die Johann-Hinrich-Wichern-Kindertagesstätte lebt von der Vision, mit Kindern, Eltern, Kolleginnen und Kollegen zu leben und zu lernen wie in einer großen »Kita-Wohnung«.

Ohne unser Raumkonzept funktioniert unser Zeitplan nicht

Wer die J.-H.-Wichern-Kindertagesstätte in Heppenheim besucht, findet sich direkt in einer großen Halle wieder, dem Zentrum unserer Kita-Wohnung. Der Begriff »Wohnung« lag für uns nahe, weil sich die Kinder bei uns frei bewegen und, wenn gewünscht, auch zurückziehen können – eben wie im eigenen Zuhause. In der Halle finden sich verschiedene Funktionsbereiche: das große Kinder-Atelier mit verstellbaren Wandstaffeleien, Fingerfarben, Wasserfarben, Stempel, Schwämme, verschiedene Pinsel, großem Malpapier usw. Gegenüber steht unser Modelliertisch für Knete oder Ton, daneben unser Indoor-Sandtisch. Großzügig ist in einer Ecke der Frühstücksbereich gestaltet mit direktem Zugang zu unserer Küche, in der auch zwei niedrige Kinderspülen installiert sind. Gegenüber der Küche, klar abgegrenzt durch eine große Teppichfläche, ist ein Konstruktionsbereich mit Materialien aus der Früh-Mathematik.

An diesen Funktionsbereichen vorbei geht man in unsere große Turnhalle. Wir sind stolz darauf für Sport, Turnen, Tanzen und Rhythmik mit tollen Geräten und Materialien (Hengstenberg-Kasten, Turnbänke, Sprossenwand, verschiedene Matten und vieles mehr) gut ausgerüstet zu sein.

Von der Halle aus geht es durch die Garderoben in die Stammgruppen. Dort sind Funktionsbereiche mit verschiedenen Spiel- und Lern-Angeboten, nach individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe und deren Erzieherinnen gestaltet: Kreativbereich, Bücher- und Leseecke, Regel- und Gesellschaftsspiele, Konzentrations- und Tüftelspiele, eine große Rollenspielecke und ein großer Bau- und Konstruktionsbereich.

In einem gleich großen Zusatzraum, für den wir in unserer Arbeit sehr dankbar sind, ist unsere Kinderbücherei eingerichtet. Gleichzeitig gibt es hier großzügige Teppichbereiche, aber auch Tische für Kleingruppenarbeit, das Mittagessen der Tageskinder in kleinen Gruppen jeweils mit einer Fachkraft. Dieser Raum bietet Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten generell für kleine Spielgruppen, für meditative Einheiten, Sprachförderung und die Arbeit in Kleingruppen bei Projekten und mit unseren Integrationskindern. Die Bücherei lädt die Kinder ein, die Bücher in den Leseecken ihrer Stammgruppe auszutauschen.

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Frühstücken in der Halle

Im Zentrum unserer Kita-Wohnung: Der Frühstücksbereich mit direktem Zugang zur Küche, der Indoor-Sandtisch und der Modelliertisch.

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Aktiv in der Halle

Im Zentrum unserer Kita-Wohnung: Das große Kinder-Atelier und der Konstruktionsbereich mit Material aus der Früh-Mathematik.

Unser Zeitplan im gut gelebten Alltag

Generell sind in unserer Kita-Wohnung alle Türen und Bereiche offen, ein wichtiges Zeichen unserer teiloffenen Arbeit und gleichzeitig fördert es gruppenübergreifende Abläufe und Strukturen. Es ermöglicht den Kindern, wenn sie es möchten und schon dazu bereit sind, sich durch die große Wohnung zu bewegen und zu schauen, mit wem und mit was sie sich in der Freispielzeit beschäftigen wollen.

Den neuen, jüngeren Kindern reicht in der Regel erst einmal »ihre« Stammgruppe als »Nestgruppe« mit festen Bezugspersonen und dem überschaubaren Raumkonzept. Ganz individuell und nach eigenem Zeitplan erweitern sie nach der Eingewöhnungsphase ihrer Kreise in unserer Kita-Wohnung.

Ganz »unaufdringlich« und doch so wichtig für uns alle hier im Haus wirkt unser Tages- und Wochenzeitplan. Die »Früh-Kinder« kommen in der Küche an, helfen den Tisch zu decken und das Frühstück vorzubereiten. Ab 8.15 Uhr kommen alle in ihren Stammgruppen an, begrüßen sich gegenseitig, haben sich im Blick. Es ist Zeit für Gespräche, das freie Spiel beginnt in der Stammgruppe oder in der großen Kita-Wohnung. Zwischen 8 und 11 Uhr haben alle Kinder die Aufgabe ihre Frühstückszeit in der Halle einzuplanen. Daran muss schon nach kurzer Zeit nicht mehr erinnert werden. Alle Kinder lieben das Frühstücken, wohl wissend, dass sie ihr Geschirr danach in der Küche spülen und für ein nachfolgendes Kind wieder einen schönen Frühstücksplatz bereiten müssen. Gemütlich gemeinsam frühstücken, Tisch- und Esskultur erleben, gehört ganz »normal« zu unserer täglichen Zeitstruktur ganz nebenbei wie ein »Lernprogramm«. Die hygienischen Rahmenbedingungen überwachen natürlich die Fachkräfte.

Zwischen 8 und 11 Uhr hat auch jede Stammgruppe einmal in der Woche Turn- oder Tanz-Tag, d.h. an diesen Tagen ist die Turnhalle natürlich für die Freispiel-Bewegungsbaustelle gesperrt. Jede Stammgruppe hat im Wochenablauf auch einen festen Kleingruppen-Projekt-Tag. Dafür steht unser sehr reduziert gestalteter Zusatzraum mit der Kinderbücherei zu Verfügung. Wenn diese Räume belegt sind signalisiert ein Türschild »Bitte nicht stören«.

Nach der Freispielzeit, mit Frühstück, Sport oder Kleingruppen-Projekt, schließt der Vormittag mit einem Gesprächskreis in der Stammgruppe ab. Alle kommen wieder zusammen, ganz egal wo man in der großen Wohnung unterwegs war. Wir reflektieren den Vormittag, jeder wird gehört, jeder kann erzählen, jeder wird wahrgenommen. Nach Absprache wird gesungen, gespielt, gelesen. Danach geht es regelmäßig in unser Außengelände. Danach wird es in der »Traumstunde« und beim Mittagessen ganz bewusst ruhig in der Kita-Wohnung, bevor dann im Laufe des Nachmittags die ersten Kinder abgeholt werden.

Monatlich gibt es zwei Termine für die »Backstube«. Es wird Brot oder Kuchen für das Frühstück am nächsten Morgen gebacken. Vor Jahren hat das Backen eine Fachkraft übernommen, was aber im Laufe der Zeit aus personellen Gründen umstrukturiert werden musste. Es war uns aber wichtig, dass die Backstube nicht einfach gestrichen wird. Als Schwerpunkt-Kita hat heute unsere Hauswirtschaftskraft pädagogische Stunden und backt mit den Kindern in einer wechselnden Kleingruppe. So ist auch sie ganz selbstverständlich in unsere Arbeit eingebunden, sie ist die Perle und Expertin in unserer Küche und wird so auch von den Kindern wahrgenommen. Sie leistet einen großen Beitrag dazu, dass unser Zeitplan rund um die Ernährung in unserer Kita so gut funktioniert, auch dann wenn sie mal ausfällt.

Unser Tages- und Wochen-Zeitplan gibt uns Raum zum Durchatmen

Wir sehen es als Kernaufgabe unseres Konzepts, im gut gelebten Alltag unseren Zeitplan immer im Blick zu haben, Angebote und Aktionen mit den Kindern vorzubereiten und dann auch durchzuführen. So stehen für uns die Kinder im Mittelpunkt. Sie partizipieren an unseren Abläufen. Sie wissen genau, wann ihr Sporttag ist und fragen morgens gleich, was wir heute machen oder bringen ihre Ideen schon mit. So sind aktiv eingebunden in unseren Alltagszeitplan und wir erleben es gemeinsam als eine wirklich sinnhafte Strukturierung.

Wir sehen es als Kernaufgabe unseres Konzepts, im gut gelebten Alltag unseren Zeitplan immer im Blick zu haben, Angebote und Aktionen mit den Kindern vorzubereiten und dann auch durchzuführen. So stehen für uns die Kinder im Mittelpunkt. Sie partizipieren an unseren Abläufen. Sie wissen genau, wann ihr Sporttag ist und fragen morgens gleich, was wir heute machen oder bringen ihre Ideen schon mit. So sind aktiv eingebunden in unseren Alltagszeitplan und wir erleben es gemeinsam als eine wirklich sinnhafte Strukturierung.

So empfinden wir unseren »Zeitplan« und unsere Strukturen nicht als Routinen oder starre Abläufe. Wir fühlen uns auch nicht eingeengt, ganz im Gegenteil - wir erhalten uns ganz bewusst viel Flexibilität, bei Engpässen können wir jederzeit mit dem Angebot variieren. Wenn Sport in mehreren Kleingruppen heute aus personellen Gründen nicht umgesetzt werden kann, dann besprechen wir die Situation mit den Kindern und überlegen gemeinsam, was wir alternativ mit der ganzen Gruppe in der Turnhalle machen können. Die Kinder lieben Tänze oder verschiedene Spiele. So muss das Angebot in der Turnhalle nicht einfach ausfallen.

Stress lässt sich durch unseren Zeitplan oft vermeiden

Wir erleben es alle, dass unser Alltag viel zu oft von spontanen Veränderungen, Anforderungen und unterschiedlichen Belastungen geprägt ist. Täglich erlebe ich wie Kinder, Eltern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich plötzlich neuen Situationen im Alltag stellen müssen.

Unser Zeitplan im gut gelebten Alltag, unsere Rituale, unsere Strukturen ermöglichen allen Beteiligten sich zu orientieren, im Alltag zu üben Strukturen anzuwenden, um sich stressfreier an neue Situationen anpassen zu können. So wollen wir selbst mit unseren Kräften haushalten und die Resilienz aller Kinder in unserer Kita stärken und sie auf bedeutende Übergänge in ihrem Bildungsverlauf vorbereiten ... und deshalb schrauben wir an unserem Zeitplan nicht herum!

Beitrag aus »TPS - Theorie und Praxis der Sozialpädagogik« (Ausgabe 2/2019). Verfasst von der Leiterin der Wichern-Kindertagesstätte, Anja Schwartz.

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